{"id":4795,"date":"2010-06-15T12:10:00","date_gmt":"2010-06-15T12:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ajetebeqiraj.org\/2016\/10\/15\/streit-um-kopftuchverbot-im-kosovo\/"},"modified":"2026-01-22T13:44:54","modified_gmt":"2026-01-22T13:44:54","slug":"streit-um-kopftuchverbot-im-kosovo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ajetebeqiraj.org\/en\/streit-um-kopftuchverbot-im-kosovo\/","title":{"rendered":"Streit um Kopftuchverbot im Kosovo"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_3209\" aria-describedby=\"caption-attachment-3209\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3209 size-full\" src=\"http:\/\/ajetebeqiraj.org\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/shamia-mbulesa.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"222\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3209\" class=\"wp-caption-text\">Zwei kosovarische Studentinnen mit Kopftuch<\/figcaption><\/figure>\n<div dir=\"\\&quot;ltr\\&quot;\">\n<p><b>17 juny 2010, Deutsche Welle.<\/b>\u00a0Im Kosovo ist eine rege Kopftuch-Debatte ausgebrochen, weil Sch\u00fclerinnen und Studentinnen k\u00fcnftig kein Kopftuch mehr tragen d\u00fcrfen. Die islamische Gemeinschaft kritisiert dies als Versto\u00df gegen die Menschenrechte.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDer Islam im Kosovo gilt als europ\u00e4isch und westlich ausgepr\u00e4gt. Obwohl die Mehrheit der Menschen im Land muslimischen Glaubens ist, stellen nur wenige ihre Religiosit\u00e4t \u00f6ffentlich zur Schau.<\/p>\n<p>Kopft\u00fccher bargen im Kosovo bisher wenig Konfliktpotential. In vielen traditionellen Familien trugen \u00e4ltere Frauen oft noch Kopftuch, wenn sie au\u00dfer Haus gingen, w\u00e4hrend die j\u00fcngere Generation mehr und mehr mit dieser Tradition brach. Insbesondere M\u00e4dchen und junge Frauen die studierten oder im st\u00e4dtischen Umfeld lebten und arbeiteten, legten Wert auf Mode und folgten westlichen Trends \u2013 ohne Kopftuch.<\/p>\n<p>Im sozialistischen Jugoslawien hatte der Staat den Einfluss der Imame zur\u00fcckgedr\u00e4ngt. Vorbild f\u00fcr junge Menschen wurde Westeuropas offene Gesellschaft. Der Glauben wurde zwar gepflegt, galt aber als Privatsache. Seit dem Ende des Kosovo-Konflikts engagierten sich jedoch zunehmend religi\u00f6se Hilfsorganisationen aus arabischen L\u00e4ndern im Kosovo. Frauen und M\u00e4dchen die an ihren Hilfs- und Bildungsprogrammen teilhaben wollten, mussten daf\u00fcr wieder traditionelle Rollenmodelle akzeptieren. So erlebte auch das Kopftuch in den letzten Jahren im Kosovo eine Renaissance. Es wurde f\u00fcr viele Muslima auch zu einem Identifikationsmerkmal zur Abgrenzung gegen das atheistische Erbe des sozialistischen Jugoslawiens.<\/p>\n<p><b>Religiosit\u00e4t im Kosovo \u2013 Pr\u00e4sent aber nicht dominant<\/b><br \/>\n<b><br \/>\n<\/b>So tr\u00e4gt Besa Ismajli, 34 Jahre, aus Mitrovica seit zehn Jahren wieder ein Kopftuch. Kein Fremder hat seit dem ihre Haarfarbe und ihren Schmuck gesehen. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie eine gew\u00f6hnliche Mutter und Hausfrau. Aber sie hat einen Master absolviert, lehrt an der Universit\u00e4t und in einem privaten College.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2072\" aria-describedby=\"caption-attachment-2072\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2072 size-medium\" src=\"https:\/\/ajetebeqiraj.org\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/1-Gjamia-e-Strellcit-te-Eperm-300x235.jpg\" alt=\"Xhamia e vjeter ne Strellc te Eperm\" width=\"300\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/ajetebeqiraj.org\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/1-Gjamia-e-Strellcit-te-Eperm-300x235.jpg 300w, https:\/\/ajetebeqiraj.org\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/1-Gjamia-e-Strellcit-te-Eperm.jpg 320w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2072\" class=\"wp-caption-text\">Religiosit\u00e4t im Kosovo \u2013 Pr\u00e4sent aber nicht dominant (Bild: Altes Mosche in Decani(strellc)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Leicht war es nicht f\u00fcr sie, als Verfechterin der traditionellen Kopfbedeckung, eine erfolgreiche berufliche Karriere aufzubauen, denn viele Menschen sehen das Kopftuch als Ausdruck eines politischen Islam, der die Westorientierung des Kosovo zu untergraben droht. Deshalb schlagen Besa als Kopftuchtr\u00e4gerin in der \u00d6ffentlichkeit auch immer wieder absch\u00e4tzige Blicke entgegen.<br \/>\nBesa Sie ist hingegen davon \u00fcberzeugt, dass diejenigen, die westliche Werte auf ihre Fahnen schreiben, mehr Respekt vor der Vielfalt und Freiheit der Gl\u00e4ubigen zeigen sollten. \u201cGerade hier bemerke ich die Intoleranz der Gesellschaft in Kosovo. Da frage ich mich: \u2018Wenn wir Andersdenkende nicht akzeptieren, wie wollen wir dann Menschen aus anderen L\u00e4ndern akzeptieren, wenn wir ein Teil der gro\u00dfen europ\u00e4ischen Familie werden?\u2019 Ich bin zu 100 Prozent aus Kosovo und f\u00fcr Kosovo und es besteht kein Grund, mich in irgendeiner Form auszuschlie\u00dfen,\u201d sagt Besa.<\/p>\n<p><b>Berufung auf Religionsfreiheit<\/b><\/p>\n<p>Doch genau das soll geschehen: Laut einer Verwaltungsanweisung des Ministeriums f\u00fcr Bildung, Wissenschaft und Technologie werden die Studentinnen in Zukunft nicht mehr verh\u00fcllt studieren d\u00fcrfen. Das Kopftuchverbot greift bereits in der Sekundarstufe. Bei einem Versto\u00df gegen diese Anweisung sollen die Betroffenen vom Unterricht ausgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Die islamische Gemeinde protestierte und bezeichnete die Anweisung als \u201ceine drastische Verletzung der Menschenrechte\u201d. Ferner widerspricht sie heftig dem Ausschluss der Sch\u00fclerinnen und Studentinnen aus dem Unterricht, wenn sie ein Kopftuch tragen.<br \/>\n\u201cDas Kopftuch ist nicht gleichzusetzen mit dem Kreuz bei den Christen oder dem Halbmond bei den Muslimen. Das Kopftuch ist ein islamischer Grundsatz, festgelegt in den religi\u00f6sen Regeln und aus diesem Grund ist es ein untrennbarer Bestandteil des Glaubens einer muslimischen Frau\u201d, sagt der Hauptimam der islamischen Gemeinde von Kosovo, Sabri Bajgora.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_2862\" aria-describedby=\"caption-attachment-2862\" style=\"width: 353px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-2862\" src=\"http:\/\/ajetebeqiraj.org\/wp-content\/uploads\/2001\/04\/Kryeimami-Ssabri-efendi-Bajgora.jpg\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"288\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2862\" class=\"wp-caption-text\">Sabri Bajgora kritisiert das Kopftuchverbot<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201cWir sind gegen eine solche Verwaltungsanordnung, weil der Versuch, die Grundrechte einer muslimischen Frau in einer Gesellschaft zu minimieren, nicht mit der Ethik eines demokratischen Staates zusammenpasst\u201d, argumentiert er und f\u00fcgt hinzu: \u201cDie Religionsfreiheit ist schlie\u00dflich in der Verfassung von Kosovo garantiert. Die M\u00e4dchen mit Kopft\u00fcchern wollen nicht Religionslehrerinnen oder Theologieprofessorinnen werden, wohl aber \u00c4rztinnen, Juristinnen, \u00d6konominnen. Deshalb betrachten wir diesen Fall als eine drastische Verletzung der elementaren Rechte eines menschlichen Wesens.\u201d<\/p>\n<p><b>Sabri Bajgora kritisiert das Kopftuchverbot<\/b><br \/>\n<b><\/b><\/p>\n<p>Die Verwaltungsanweisung verbietet \u201creligi\u00f6se Kleidung zu tragen\u201d, und die kommunalen Verwaltungen sehen darin das Kopftuchverbot begr\u00fcndet. Aber niemand vom Bildungsministerium erkl\u00e4rte sich bereit, sich zu diesem Thema zu \u00e4u\u00dfern. \u201cFalls das Bildungsministerium diese Beschl\u00fcsse nicht zur\u00fcckzieht, werden wir Ma\u00dfnahmen treffen. Wir wollen die Situation nicht radikalisieren, sondern werden beharrlich die Unterst\u00fctzung des Volkes einfordern -Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Rechte die durch die Verfassung von Kosovo und die UN-Charta f\u00fcr die religi\u00f6sen Rechte und Freiheiten gesichert sind\u201d, warnt Bajgora.<\/p>\n<p>Bei den Kosovaren gehen die Meinungen \u00fcber das Tragen eines Kopftuches auseinander. Der Student Bekim Kastrati aus Malisheva sagt: \u201cNein, das Kopftuch st\u00f6rt mich \u00fcberhaupt nicht. Mir gef\u00e4llt eine verh\u00fcllte Frau sogar sehr.\u201d Drita Krasniqi aus Prizren meint dagegen: \u201cW\u00fcrde mein Mann mich verh\u00fcllen, w\u00fcrde ich mich im Nu von ihm scheiden lassen. Denn wenn eine Frau Charakter und Moral hat, ist ein Kopftuch nicht m\u00f6glich.\u201d<\/p>\n<p>\u201cEs w\u00fcrde mich nicht st\u00f6ren, eine verh\u00fcllte Frau zu heiraten. Im Gegenteil, ich w\u00fcrde sie mehr achten, wenn eine verh\u00fcllte Frau mich so annehmen w\u00fcrde, wie ich bin\u201d, h\u00e4lt Ilir aus Decan dagegen. \u201cWeil wir danach streben, einige Standards zu erf\u00fcllen, sollten wir nicht solche Barrieren schaffen, und die Gesellschaft spalten\u201d, meint er.<\/p>\n<p><b>Autorinnen: Ajete Beqiraj \/ Mirjana Dikic<\/b><\/p>\n<p><b>Redaktion: Fabian Schmidt<\/b><br \/>\n<b>17 juny 2010<\/b><\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17 juny 2010, Deutsche Welle.\u00a0Im Kosovo ist eine rege Kopftuch-Debatte ausgebrochen, weil Sch\u00fclerinnen und Studentinnen k\u00fcnftig kein Kopftuch mehr tragen d\u00fcrfen. 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